Der Vogelweider und der Wolkensteiner

Liebes- und Lebenslieder zweier Dichter und Abenteurer


Ensemble LA ZIRIOLA:

Robert Weinkauf – Gesang

Peter Rabanser – Gesang, Laute, Oud, Dudelsack, Tamburello

Susanne Ansorg – Fidel, Rebec

Kay Krause – Laute, Oud


»Ein Leben für drei Leben: Fahrender Ritter und bäuerlicher Edelmann. Politiker und Diplomat. Und Dichter, Komponist, Sänger, so virtuos und reich und vielseitig wie kein anderer in seinem Land und seiner Zeit. Ein sperriger, ichbewußter, fast barock-pompöser Mensch in seiner zerfallenden spätmittelalterlichen Welt. Oft äußerlich, lärmend, brutal in seinen Liedern wie in seiner Existenz, und zugleich überempfindlich, verwundbar, von einer bis dahin unbekannten Intensität des Fühlens. Das schiere Gegenbild zur höfisch-idealen Spiritualität seines einzig ebenbürtigen Vorgängers Walther von der Vogelweide.«

Klaus J. Schönmetzler, in: Oswald von Wolkenstein. Die Lieder, 1979.


Walther von der Vogelweide (ca. 1170 – ca. 1228) und Oswald von Wolkenstein (ca. 1377 – 1445), die Ikonen des mittelalterlichen Minnesangs. Reisende ihr Leben lang, in diplomatischen Diensten von Kaisern und Königen unterwegs durch ganz Europa, zu Gast an Fürstenhöfen und in Wirtshäusern. Tiroler? Von Oswald weiß man mit Sicherheit, daß er in einem Südtiroler Bergtal geboren wurde. Sieben Städte stritten einst darum, als Heimat Homers zu gelten – in mindestens vierzehn Landschaften wurde der Geburtsort Walthers vermutet; aber einige interessante Indizien deuten darauf hin, daß auch er Südtiroler gewesen sein könnte.

Beide verbindet ihr unbändiger Wille zur Individualität, auf Seitenwegen abseits der Konventionen der mittelalterlichen Literaturgesellschaft und sie oft übertreffend. Kunstvoll jonglieren sie mit dem Wort, der Waffe des Dichters, und bewegen sich dabei auf einem schmalen Grat: waren beide doch abhängig vom Wohlwollen ihrer jeweiligen Gönner. Dem einen brachte es ein Lehen und einen Pelzmantel, dem anderen mehrere Orden und mehrere Monate Gefangenschaft.


La Ziriola (=dolomitenladinisch: die Nachtigall) begibt sich auf die Spuren dieser beiden außergewöhnlichen Persönlichkeiten, ihrer Musik und ihrer Dichtkunst – Spuren, denen zu folgen nicht immer leicht ist. Die oft autobiographischen Werke beider geben uns Einblicke in ihr wohl recht abenteuerliches Leben als Minnesänger, Spruchdichter, Reisende in diplomatischen Diensten und Verehrer des schönen Geschlechtes; sie lassen erahnen, wie universell begabt beide gewesen sein müssen, zwischen Kreuzzug und ewigwährender Anbetung einer stets unerreichbaren Geliebten, zwischen Politik und Poesie, Geschäft und Leidenschaft. So werden ihre Lieder zu einer Reise auf zwei Lebenswegen, vom Hochmittelalter bis zu dessen Ende, vom Minnesang bis zu Francesco Landini, Musik aus all den Gegenden, durch die die beiden gekommen sind: Österreich, Ungarn, Slowenien, Italien, Spanien, französische Estampien und italienische Tänze – in der Tradition der mittelalterlichen Musiker unserem Ensemble zu eigen gemacht: die Musik steckt nicht allein in den Noten, die auf dem Papier stehen, sondern auch in denen, die sich dahinter verbergen.

Über La Ziriola – deutsch

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